youngCOLLECTORS

youngcollectors_2017

zeigen im Dialog
Dominik Orth / Tom Früchtl
Sebastian Wickeroth / Gisela Hoffmann
Ditty Ketting / Christophe Baudson
Chaos und Ordnung: Aljoscha / Šakir Gökćebağ
Didier Mencoboni / Angela Glajcar
Henriette van’t Hoog / Leopoldine Roux
Imke van Dijk / Elisabeth Sonneck
Dieter Balzer / Gereon Krebber

 

Die Edition youngcollectors wurde Ende 2013 gegründet mit der Idee von jungen aber auch von namhaften Künstlern Werke zu Preisen in darstellbarem finanziellen Rahmen zu verlegen. Unser besonderes Anliegen ist es zudem Werke anzubieten, die in ihrem künstlerischen Anspruch Unikaten in Nichts nachstehen.…

„Pour moi les éditions me permettent de m’exprimer avec des phénomènes techniques qui donnent des résultats complètement différents ………. De plus, les éditions sont accessibles à tous, tout en gardant leur noblesse. ‚…….zudem sind Edition für alle erreichbar (erwerbbar), und sie bewahren dabei ihre Noblesse,‘ sagte 2002 Gottfried Honegger.

youngcollectors verlegt Werke in Kleinstauflagen (max 10) z.T. mit unikatärem Charakter oder Serien und hat mittlerweile 52 Arbeiten im Programm von 38 Künstler aus 14 Nationen.
youngcollectors pflegt einen intensiven Netzwerk-Kontakt mit seinen Künstlern und ist mit Künstlerräumen in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Neuseeland und Australien verbunden.

http://www.youngcollectors.de/news/

 

1youngcollectors_FAROFF2017
Das Thema der Darstellung ist ein uraltes in der Kunst, ebenso das Thema des Trugbildes.
Lange Zeit stand die Fotografie für die Glaubwürdigkeit des Bildes. Dies änderte sich erst nachhaltig durch die digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten der Fotos. Dominik Orth allerdings ist ein reisender, sehr junger Fotograf aus der Schweiz, der sich strikt an die Vorgabe hält, die fotografierten Bilder nicht nachzubearbeiten. Hier also begegnet uns wieder das glaubwürdige, wenn auch extrem malerische Abbild der Wirklichkeit. Im Gegensatz dazu erzeugt der Berliner Maler Tom Früchtl Trugbilder, die uns z.B. vorgaukeln eine simple Lochplatte zu sein, oder ein Holz. Erst die genauere Sicht entlarvt das Dargestellte. Es handelt sich um Fakes. Seine Malerei ist nüchtern und illusionistisch zugleich.

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Gisela Hoffmanns Werke bestehen aus feinem Nylongewebe, das als Bänder vernäht an Nägel vor der Wand verspannt wird. Der Wandbereich zwischen den Farbbändern wird durch die Abstrahlung von den Bändern gefärbt, scheint farbig. Eine feine ungemalte Wandmalerei entsteht, ist aber virtuell. Die Wand wird Teil und Thema der Arbeit.
Ganz anders bei Sebastian Wickeroth, der das klassische gerahmte Bild aufzulösen scheint, es hinterfragt. Das Glas im Rahmen ist der Träger der gesprühten Farbe, doch zugleich gibt der freibleibende Bildteil den Blick auf die Wand frei. Die Wand wird Bildelement.

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Langsame Malerei, Chromatische Komplexität, und Farbharmonien sind die Begriffe, die sich bei der Betrachtung von Ditty Kettings Bildern aufdrängen. Ihre streng kalkulierte und hoch präzise gearbeitete Malerei steht in strengem Kontrast zu den schnell und impulsive aufgetragenen Farbfläche des Christophe Baudson. Er scheint alle Regeln der Farbtheorien über den Haufen zu schmeißen, setzt fremde und beliebig erscheinende Kontraste, die unsere Sehgewohnheit herausfordern. Kettings Präzision lässt keinerlei Fehler und Ungenauigkeit zu. Baudson spachtelt die Ölfarbe großzügig und auf den Bildträger auf. Farbwulste bleiben stehen. Planung ist hier begrenzt. Zugleich bleiben beide Künstler klassische Maler.

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Ein weiterer kontrastreicher Dialog entwickelt sich zwischen dem Ukrainer Aljoscha und dem Türken Šakir Gökćebağ.
Aljoschas filigrane Wesen aus Silberüberzogenem Draht wirken höchst organisch. Obwohl von Künstlerhand aus Draht, Acryl und Silber hergestellt, scheinen sie gerade dem Ozean entstiegen und scheinen zu leben. Sie sind frei, deuten Wachstum an. Gänzlich anders pfercht Gökćebağ seine Teile eines zerschnittenen Gartenschlauchs in einen genormten Holzkasten ein, in Reih und Glied. Hier gibt es kein Entrinnen, alles ist scheinbar klar und durchorganisiert. Gökćebağs Humor führt uns durch seine Objekte aus Alltagsgegenständen aufs Glatteis. Seine Arbeiten stehen in der Tradition humoristischer türkischer Geschichten, die naiv-absurd die Begriffe unseres Alltags auf den Kopf stellen.

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Vielfalt, Humor, der spielerische Umgang mit geometrischen Grundformen und eine große Lust am Farb- und Materialexperiment sind Markenzeichen des Künstlers Didier Mencoboni.
Seine Werke suchen stets das Überraschungsmoment. In seinen Spiegelarbeiten erweitert der in Paris lebende Künstler den Bildraum und den physikalischen Raum, öffnet ihn und bricht ihn durch die Spiegeleffekte zugleich.
Ähnlich und ganz anders zugleich öffnet auch
Angela Glajcar den Bildraum, schafft auf unverwechselbare Weise Tiefe, die aber nicht virtuell sondern, wenn auch in kleinen Dimensionen plastisch ist. Sie reißt Papiere und schichtet diese, baut Höhlen und Durchblicke, die von feinen minimalen Helldunkelnuancen leben.

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Während die in Amsterdam lebenden Künstlerin Henriette van t’Hoog an die optical art erinnernde geometrisch verzogene Objekte baut, farblich fasst und hierdurch mit der räumlichen bzw. perspektivischen Täuschung spielt, ironisiert die junge Französin Leopoldine Roux auf humorvolle Weise die Leinwandmalerei. Sie gießt Polyurethanfarbe über die Rückseite des Keilrahmens.
Beide Künstler thematisieren auf sehr unterschiedliche Art den Bildraum und das Spiel von Farbe und Körper. Van t’Hoog schafft aber immer noch traditionelle Objekte, Roux will die Tradition überwinden.

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Viele ihrer Arbeiten von Imke van Dijk sind raum- oder ortsbezogen, werden direkt auf die Wand gezeichnet. Bei der hier gezeigten Arbeit muss der Galerist oder der Kunde selber Hand anlegen und die Zeichnung nach eigenem Gusto mittels Schablonen auf die Wand zeichnen. Es entsteht ein Unikat aber nicht aus der Hand der Künstlerin. Elisabeth Sonneck bemalt im Gegensatz hierzu Papier mit sehr feinem Duktus mittels Gouache, kopiert einfach dieses Ergebnis und hängt die transparente Kopie partiell vor die Malerei. Das Unikatäre und Originale wird von beiden Künstlerinnen subtil befragt.

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Krebbers Werke vermeiden eindeutige Bestimmungen und Referenzen. Aus den verschiedensten Alltagsmaterialien (u.a. Frischhaltefolien, Beton, Luftballons, Polyurethanschaum, Haferflocken oder Klebepunkten) schafft er fremdartig anmutende oft organisch wirkende Gebilde. Ordnung ist bei ihm eine Ordnung im Chaos, eine sich aus der Organik und dem Amorphen entwickelnde Ordnung. Ganz anders bei Dieter Balzer: Er arbeitet mit mathematisch-geometrischen Elementen aus MDF-Platten, die er mit Farbfolien kaschiert. Daraus baut er dreidimensionale Objekte, architektonische Raumstrukturen, Gittermuster und Rasterkonstruktionen, aus Linie und Farbe. Hier scheint das Organische ausgeblendet und alles unter Kontrolle. Doch entwickeln auch seine Werke ein Spannungsfeld, eines aus Einblick und Durchblick, aus Innen und Außen, und sind dann den Arbeiten von Krebber doch nicht ganz so fern.